|
Sensorische Integration (SI)
Die
Sensorische Integration ist das Zusammenspiel der Sinne.
Auf
dieses Zusammenspiel sind wir alle im Alltag angewiesen und leisten
es größtenteils unbewusst.
Erst, wenn die Integration der Sinne beeinträchtigt ist, wird eine
Herausforderung daraus.
Die
sensorische Integrationstherapie befasst sich mit den Möglichkeiten
des menschlichen Sinnessystems, Störungen auszugleichen und
Empfindung und Handeln in Einklang zu bringen.
Unsere Wahrnehmung fußt auf den
Basissinnen:
Dem
Gleichgewichts-System
(vestibuläre Wahrnehmung)
·
„Ich spüre meine eigene Position, Bewegungsrichtung und
Beschleunigung in Bezug auf die Schwerkraft“
Der
Tiefensensibilität
(Propriozeptive und Viszerozeptive Wahrnehmung)
·
„Ich spüre die Spannung und Bewegung meiner Willkürmuskulatur, die
Position meiner Gelenke und die Ausdehnung der Inneren Organe“
Der
Oberflächensensibilität
(Taktile Wahrnehmung)
·
„Ich spüre die Qualität und Quantität von Berührungen auf meiner
Haut“
Diese körpernahen Sinne stehen in Wechselwirkung mit den
Fernsinnen:
·
Sehen
(visuelle Wahrnehmung)
·
Hören
(auditive Wahrnehmung)
·
Riechen
(olfaktorische Wahrnehmung)
·
Schmecken
(gustatorische Wahrnehmung)
Eine gelungene Wahrnehmungsverarbeitung ist die Vorraussetzung für
motorisches und kognitives lernen.
Störungen der Sensorischen Integration
Ist
die Integration der Sinne beeinträchtigt, äußert sich dies in sehr
unterschiedlichen Schwierigkeiten im persönlichen und sozialen Alltag.
Eine
Verarbeitungsstörung der Basissinne zieht häufig weite Kreise, die
sich im Umwelt- und Ichempfinden der betroffenen Person und in deren
Interaktion mit dem Umfeld ausdrückt.
Am
Beispiel einer Verarbeitungsstörung der Gleichgewichtswahrnehmung
lässt sich dieses Phänomen erläutern:
Ein
Mensch, dessen Sensorisches System vestibulär (also das Gleichgewicht
betreffend) unterinformiert ist, wird Veränderungen der Schwerkraft
vermindert und/oder stark zeit verzögert wahrnehmen und somit nur
unzureichend darauf reagieren.
Dies
kann sich sowohl in der Suche, als auch in der Vermeidung von
Gleichgewichtsreizen und deren Anforderung ausdrücken.
Häufiges Hinfallen, Ungeschicklichkeit (Elefant im Porzellanladen),
Hyperaktivität (Kompensation über Schnelligkeit), mangelndes
Raum-Lage-Empfinden (vorne/hinten/oben/unten/recht/links, Buchstaben
und Zahlendreher) und mangelnde Risikoeinschätzung stehen in direktem
Zusammenhang mit dem gestörten Gleichgewichtsempfinden.
Indirekt stehen jedoch auch alle anderen Sinnessysteme mit dem
Störungsbild in Verbindung. Das Gleichgewichtsorgan (Vestibulum) ist
im Innenohr lokalisiert und hat Einfluss auf die Verarbeitung
akustischer Reize. Ebenso ist die visuelle Wahrnehmung (besonders die
Visu-motorik) betroffen.
Durch
die Verarbeitung von Gleichgewichtsreizen werden Halte- und
Stützreaktionen ausgelöst, die im Zusammenhang mit den
Spannungsverhältnissen unserer Muskulatur stehen. Eine Störung der
vestibulären Wahrnehmungsverarbeitung hat somit auch Einfluss auf dem
allgemeinen Muskeltonus.
Nicht
zuletzt ist das Selbstbild betroffen. Ein verringertes
Selbstwertgefühl kann sich in Rückzug oder Aggressivität äußern und zu
quälenden sozialen Schwierigkeiten führen.
Das
in den letzten Jahren häufig (und nicht selten vorschnell)
diagnostizierte und medikamentös behandelte
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) hat vielfach seine Ursache in
einer Störung der Wahrnehmungsverarbeitung. Auch Hyperaktivität, Lese-
und Rechtschreibschwächen, Sprachstörungen, Dyskalkulie und andere
Syndrome lassen sich häufig teilweise oder vollständig auf eine
Grundproblematik in der Sensorischen Integration zurückführen.
Die
Therapie für Menschen mit solchen Schwierigkeiten fußt vor allem auf
unvoreingenommener Beobachtung und uneingeschränkter Wertschätzung.
Patienten werden in ihren Kompetenzen gestärkt und auf dem
persönlichen Weg zu neuen Zielen behutsam begleitet und angeleitet.
Der Therapeut zeigt Wege auf, die eigene Wahrnehmung zu erproben und
sorgt für einen gesicherten Rahmen, der es ermöglicht, sich
sensorischen, motorischen und kognitiven Herausforderungen zu stellen.
Eine besonders wichtige Erkenntnis für die
Sensorische-Integrations-Therapie ist, dass Freude, Spaß und Vergnügen
die besten Helfer für eine gelungene Wahrnehmungsverarbeitung sind.
|